Das Wichtigste in Kürze
- Ein neuer Tarif kann meist schon ausgewählt werden, die Belieferung beginnt jedoch erst nach wirksamer Beendigung des bisherigen Vertrags.
- Entscheidend sind Vertragsbestätigung, letzte Rechnung, Mindestlaufzeit und Kündigungsfrist.
- Bei einer Preisänderung kann ein Sonderkündigungsrecht bestehen; erklären Sie es fristgerecht und nachweisbar selbst.
- In der Grundversorgung beträgt die Kündigungsfrist grundsätzlich zwei Wochen.
- Vergleichen Sie Gesamtkosten ohne Bonus und geben Sie dem neuen Anbieter einen realistischen Lieferbeginn an.
Ein günstigeres Gasangebot beendet den bestehenden Liefervertrag nicht automatisch. Ob Sie den Gasanbieter trotz laufendem Vertrag wechseln können, hängt von Mindestlaufzeit, Kündigungsfrist und einem möglichen Sonderkündigungsrecht ab. Dieser Ratgeber ordnet die Fälle ein und zeigt, wie Sie einen Wechsel ohne Versorgungslücke vorbereiten.
Laufender Vertrag: Was ein Wechsel praktisch bedeutet
Beim Anbieterwechsel sind Vertragsende und technischer Lieferbeginn zu unterscheiden. Sie können Angebote recherchieren und einen Anschlussvertrag abschließen, obwohl der bisherige Vertrag noch läuft. Der neue Lieferant darf die Belieferung aber normalerweise erst übernehmen, wenn der alte Vertrag beendet ist und die Marktlokation zum Stichtag zugeordnet werden kann.
Ein verfrühter Abschluss muss nicht problematisch sein, wenn der gewünschte Lieferbeginn korrekt angegeben wird. Viele Anbieter fragen nach dem frühestmöglichen Termin und übernehmen die ordentliche Kündigung. Prüfen Sie anschließend die Auftragsbestätigung: Dort sollte kein Termin stehen, der mit der Bindung im Altvertrag kollidiert.
Eine Doppelbelieferung derselben Marktlokation ist technisch nicht vorgesehen. Das schützt aber nicht vor vertraglichen Streitigkeiten, falls Angaben falsch waren oder eine Kündigung unwirksam ist. Verlassen Sie sich deshalb nicht nur auf die Eingabemaske eines Vergleichs, sondern lesen Sie Ihre Vertragsunterlagen.
Mindestlaufzeit und Kündigungsfrist finden
Die wichtigsten Daten stehen üblicherweise in der Vertragsbestätigung und auf der Rechnung. Energieversorger müssen auf Rechnungen unter anderem Vertragsdauer, geltende Preise, Kündigungsfrist und möglichen Kündigungstermin transparent ausweisen. Suchen Sie nach Formulierungen wie „Mindestvertragslaufzeit“, „Vertragsende“, „nächstmöglicher Kündigungstermin“ und „Kündigungsfrist“.
Bei Verbraucherverträgen, die seit dem 1. März 2022 geschlossen wurden, darf sich ein Vertrag nach der anfänglichen Laufzeit grundsätzlich nur noch auf unbestimmte Zeit verlängern und muss dann mit höchstens einem Monat Frist kündbar sein. Für ältere Verträge können andere Verlängerungsregeln gelten. Maßgeblich bleiben Abschlussdatum und konkrete Bedingungen.
Fehlen Unterlagen oder widersprechen sich Angaben, bitten Sie den bisherigen Lieferanten schriftlich um Bestätigung des nächstmöglichen Vertragsendes. Notieren Sie Datum und bewahren Sie die Antwort auf. Die Bundesnetzagentur erläutert Energieverträge und Anbieterwechsel aus Verbrauchersicht.
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Jetzt Tarife vergleichen →Ordentliche Kündigung: Wechsel zum Vertragsende
Ohne besonderen Anlass endet ein Sondervertrag durch ordentliche Kündigung. Der sicherste Ablauf beginnt mehrere Wochen vor Ablauf der Kündigungsfrist. Vergleichen Sie Tarife, wählen Sie einen Anbieter und beauftragen Sie den Wechsel zum nächstmöglichen Termin.
Der neue Lieferant übernimmt in vielen Fällen die Kündigung. Eine eigene Kündigung ist sinnvoll, wenn die Frist kurz bevorsteht oder der Vertrag besondere Vorgaben enthält. Kündigen Sie in Textform und bitten Sie um Bestätigung des Enddatums. Online geschlossene Dauerschuldverhältnisse müssen häufig auch über einen Kündigungsbutton kündbar sein; ob die gesetzlichen Voraussetzungen im Einzelfall erfüllt sind, sollten Sie bei Bedarf prüfen lassen.
Geben Sie dem neuen Anbieter diese Daten korrekt an:
- Name und Lieferadresse
- Zählernummer oder Marktlokations-ID
- Kundennummer beim bisherigen Lieferanten
- aktuellen Jahresverbrauch
- bisherigen Anbieter und Tarif
- bestätigten Kündigungs- beziehungsweise Liefertermin
Eine versehentlich falsche Zählernummer kann die Zuordnung verzögern. Die Marktlokations-ID finden Sie meist auf der Rechnung und ist eindeutiger als die Adresse allein.
Sonderkündigungsrecht bei Preisänderung
Ändert der Lieferant einseitig den Preis, muss er Haushaltskunden grundsätzlich rechtzeitig und transparent informieren. Die Mitteilung muss auf Anlass, Voraussetzungen und Umfang der Änderung sowie auf das Kündigungsrecht hinweisen. Kunden können den Vertrag regelmäßig ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens beenden.
Erklären Sie diese Sonderkündigung selbst und beziehen Sie sich ausdrücklich auf die angekündigte Preisänderung. Nennen Sie Kundennummer, Lieferstelle und Beendigungsdatum. Senden Sie die Erklärung über einen nachweisbaren Weg und sichern Sie Versandbeleg sowie Bestätigung. Beauftragen Sie erst danach den neuen Lieferanten passend zum Endtermin.
Nicht jede Veränderung auf einer Rechnung ist automatisch derselbe Fall. Eine ausgelaufene Preisgarantie, bereits wirksam vereinbarte Preisformel oder unveränderte Weitergabe bestimmter Bestandteile kann anders zu bewerten sein. Bei unklarer Mitteilung hilft die Verbraucherzentrale oder eine Rechtsberatung. Dieser Beitrag kann den konkreten Vertrag nicht rechtlich prüfen.
Umzug, Lieferunfähigkeit und weitere Fälle
Ein Umzug beendet einen Gasvertrag nicht automatisch. Informieren Sie den Lieferanten frühzeitig über Auszugs- und Einzugsdatum sowie neue Adresse. Kann er die neue Lieferstelle nicht zu den bisherigen Bedingungen bedienen, kommt nach § 41b EnWG grundsätzlich eine außerordentliche Kündigung mit sechs Wochen Frist in Betracht. Kann er weiterliefern, kann der Vertrag fortgesetzt werden. Prüfen Sie die konkrete Rückmeldung.
Fällt ein Lieferant aus, stellt das örtliche System die Versorgung in der Regel über Ersatz- beziehungsweise Grundversorgung sicher. Das ist kein Grund, einen beliebigen neuen Vertrag unter Zeitdruck abzuschließen. Erfassen Sie Zählerstand, prüfen Sie Mitteilungen von Netz- und Grundversorger und vergleichen Sie anschließend reguläre Angebote.
Bei einem Todesfall, einer Trennung oder einem Eigentümerwechsel hängt das Vorgehen von Vertragsinhaber und Lieferstelle ab. Melden Sie die Veränderung schriftlich und lassen Sie sich bestätigen, ob der Vertrag beendet, übernommen oder neu abgeschlossen werden muss.
Neuen Gastarif belastbar vergleichen
Nutzen Sie den realen Jahresverbrauch aus der letzten Abrechnung. Gas wird häufig in Kilowattstunden abgerechnet, während der Zähler Kubikmeter misst. Der Lieferant rechnet das Volumen über Brennwert und Zustandszahl um. Für den Tarifvergleich ist der abgerechnete kWh-Wert am praktischsten.
Prüfen Sie Arbeitspreis, Grundpreis, Laufzeit, Kündigungsfrist, Zahlweise und Preisgarantie. Ein Neukundenbonus sollte separat gerechnet werden. Vergleichen Sie mindestens:
- die Kosten im ersten Jahr mit sicher erfülltem Bonus,
- die Kosten im ersten Jahr ohne Bonus,
- die Kosten bei Ihrem Verbrauch im Folgejahr auf Basis der aktuell ausgewiesenen Preise.
Vermeiden Sie unnötige Vorkasse und achten Sie auf verständliche Bedingungen. Eine hohe beworbene Ersparnis ist nur eine Modellrechnung, keine Zusage. Wetter, Verbrauch und künftige Preise verändern das Ergebnis. Weitere Prüfpunkte stehen in Gasvertrag prüfen: Kostenfallen erkennen.
Wechselablauf und Dokumentation
Nachdem der Endtermin geklärt ist, schließen Sie den neuen Tarif mit genügend Vorlauf ab. Speichern Sie Angebot, Preisblatt und AGB. Prüfen Sie die Vertragsbestätigung auf Lieferbeginn, Preise und Bonusbedingungen. Bei einem außerhalb von Geschäftsräumen oder online geschlossenen Verbrauchervertrag besteht regelmäßig ein 14-tägiges Widerrufsrecht; Ausnahmen und Beginn der Frist hängen von den Umständen ab.
Lesen Sie am letzten Tag der Altbelieferung den Zähler ab und fotografieren Sie Anzeige samt Zählernummer. Melden Sie den Stand an alten und neuen Lieferanten sowie bei Bedarf den Netzbetreiber. Der bisherige Anbieter muss eine Schlussrechnung erstellen. Kontrollieren Sie Zeitraum, Verbrauch, Abschläge, Bonus und Guthaben.
Sollte der neue Vertrag später beginnen als geplant, fällt die Heizung nicht einfach aus. Haushalte werden grundsätzlich über das gesetzliche Ersatzversorgungssystem aufgefangen. Diese Übergangsversorgung kann jedoch teurer sein, weshalb Sie eine Vertragslücke trotzdem vermeiden sollten.
Fazit
Sie können den nächsten Gasanbieter während eines laufenden Vertrags auswählen, doch der tatsächliche Wechsel richtet sich nach wirksamer Kündigung und Endtermin. Prüfen Sie Laufzeit, nutzen Sie Sonderkündigungsrechte nur mit passendem Anlass und vergleichen Sie Jahreskosten ohne Bonus. Bei Streit über Kündigung oder Preisänderung ist individuelle Verbraucher- oder Rechtsberatung sinnvoll.