Das Wichtigste in Kürze
- Für den ersten Strompreisvergleich genügen normalerweise Ihre Postleitzahl und der Jahresverbrauch in Kilowattstunden.
- Vergleichen Sie neben dem Gesamtpreis immer Arbeitspreis, Grundpreis, Bonusbedingungen und die Kosten ab dem zweiten Vertragsjahr.
- Kurze Vertragslaufzeiten, überschaubare Kündigungsfristen und eine möglichst umfassende Preisgarantie erhöhen die Flexibilität.
- Tarife mit Vorkasse, Kaution oder Strompaketen sind für viele Haushalte mit zusätzlichen finanziellen Risiken verbunden.
- Bei Ökostrom bieten anerkannte Siegel wie „Grüner Strom“ oder „ok-power“ mehr Orientierung als die Bezeichnung „100 Prozent Ökostrom“ allein.
Welche Daten müssen Sie für einen Strompreisvergleich angeben, und ist das günstigste Ergebnis tatsächlich die beste Wahl? Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie mit Postleitzahl und Jahresverbrauch passende Tarife finden, Preisangaben korrekt einordnen und sinnvolle Filter für Vertragsbedingungen und Ökostrom setzen.
Diese Angaben benötigen Sie für den Strompreisvergleich
Die wichtigsten Strompreisvergleich-Angaben finden Sie auf Ihrer letzten Jahresabrechnung. Für eine erste Ergebnisliste müssen Sie in einem offiziellen Vergleichsrechner in der Regel nur zwei Werte eintragen:
Postleitzahl: Der Wohnort bestimmt, welche Lieferanten und Tarife verfügbar sind. Außerdem unterscheiden sich regional unter anderem die Netzentgelte. Geben Sie deshalb die Postleitzahl der tatsächlichen Verbrauchsstelle ein – nicht die einer Rechnungs- oder Korrespondenzadresse.
Jahresverbrauch: Entscheidend ist die tatsächlich verbrauchte Strommenge in Kilowattstunden (kWh), nicht die Höhe Ihrer monatlichen Abschläge. Den Verbrauch finden Sie auf der Jahresabrechnung meist unter Bezeichnungen wie „Jahresverbrauch“, „Verbrauch im Abrechnungszeitraum“ oder „Stromverbrauch“.
Liegt noch keine vollständige Jahresabrechnung vor, können Sie zunächst mit einem Schätzwert arbeiten. Vergleichsrechner schlagen häufig typische Werte anhand der Haushaltsgröße vor. Diese sind jedoch nur eine Orientierung: Warmwasserbereitung mit Strom, Homeoffice, Klimageräte, ein Aquarium oder ein Elektroauto können den Verbrauch deutlich verändern.
Bei einem Abrechnungszeitraum von weniger oder mehr als zwölf Monaten sollten Sie den Wert auf ein Jahr umrechnen. Beispiel: Haben Sie in sechs Monaten 1.400 kWh verbraucht, ergibt eine einfache Hochrechnung 2.800 kWh pro Jahr. Saisonale Unterschiede, etwa durch elektrische Heizgeräte, können dieses Ergebnis allerdings verzerren.
Für den reinen Vergleich sind Zählernummer, Marktlokations-ID und bisherige Kundennummer normalerweise noch nicht erforderlich. Diese Angaben werden erst beim Wechselauftrag relevant und stehen ebenfalls auf der Rechnung. Die Bundesnetzagentur empfiehlt, für einen Anbieterwechsel insbesondere die letzte Abrechnung bereitzuhalten und die Vertragsdaten sorgfältig zu prüfen. Informationen der Bundesnetzagentur zum Lieferantenwechsel
So lesen Sie Preise und Rangfolge richtig
Der voraussichtliche Jahrespreis setzt sich üblicherweise aus zwei Bestandteilen zusammen:
Arbeitspreis: Diesen Betrag zahlen Sie für jede verbrauchte Kilowattstunde. Je höher Ihr Verbrauch ist, desto stärker wirkt sich der Arbeitspreis auf die Gesamtkosten aus.
Grundpreis: Dieser feste Betrag fällt unabhängig vom Verbrauch an. Er wird monatlich oder jährlich ausgewiesen. Für Haushalte mit niedrigem Verbrauch kann ein hoher Grundpreis einen vermeintlich günstigen Arbeitspreis zunichtemachen.
Die vereinfachte Berechnung lautet:
`Jahreskosten = Jahresverbrauch × Arbeitspreis + jährlicher Grundpreis`
In den vorderen Positionen einer Ergebnisliste stehen jedoch häufig Tarife, deren angezeigter Preis bereits einen Neukunden- oder Sofortbonus enthält. Dadurch kann das erste Jahr günstig erscheinen, obwohl die laufenden Kosten vergleichsweise hoch sind. Prüfen Sie deshalb mindestens zwei Werte:
- den effektiven Gesamtpreis im ersten Jahr einschließlich aller berücksichtigten Boni;
- die regulären Jahreskosten ohne Bonus beziehungsweise die prognostizierten Kosten ab dem zweiten Jahr.
Ein Bonus ist kein dauerhafter Preisnachlass. Lesen Sie die Bedingungen: Manche Boni setzen eine bestimmte Mindestvertragsdauer voraus, werden erst nach der ersten Jahresabrechnung ausgezahlt oder entfallen bei einer vorzeitigen Vertragsbeendigung. Auch die Frage, ob Sie in den vergangenen Monaten bereits Kunde beim selben Anbieter oder einer verbundenen Marke waren, kann eine Rolle spielen.
Achten Sie zudem darauf, ob das Portal die Ersparnis gegenüber Ihrem tatsächlichen bisherigen Tarif oder nur gegenüber einem voreingestellten Grundversorgungstarif berechnet. Für einen realistischen Vergleich tragen Sie den aktuellen Arbeitspreis und Grundpreis aus Ihrer Rechnung ein. Ein hoher ausgewiesener Sparbetrag ist sonst möglicherweise nicht auf Ihre persönliche Situation übertragbar.
Der monatliche Abschlag ist ebenfalls nicht mit dem endgültigen Preis gleichzusetzen. Er ist lediglich eine Vorauszahlung auf die erwarteten Jahreskosten. Ein auffällig niedriger Abschlag kann später zu einer Nachzahlung führen, wenn der tatsächliche Verbrauch höher ist oder der Abschlag zu knapp angesetzt wurde.
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Jetzt Tarife vergleichen →Welche Filter bei Vertragsbedingungen sinnvoll sind
Filter reduzieren die lange Ergebnisliste auf Tarife, die zu Ihren Prioritäten passen. Dabei sollte nicht allein der niedrigste Preis entscheiden.
Eine kurze Erstvertragslaufzeit hält Sie flexibel. Verträge mit zwölf Monaten Laufzeit können vertretbar sein, wenn Preis und Bedingungen stimmen; noch kürzere Laufzeiten erleichtern einen erneuten Wechsel. Prüfen Sie zusätzlich die Kündigungsfrist und die Regelungen zur Vertragsverlängerung.
Bei der Preisgarantie ist der genaue Umfang wichtig. Eine eingeschränkte Garantie kann bestimmte Preisbestandteile ausnehmen, beispielsweise staatlich veranlasste Abgaben, Steuern oder Netzentgelte. Lesen Sie deshalb nicht nur die Dauer der Garantie, sondern auch die Ausnahmen in den Tarifbedingungen. Ideal ist, wenn die Garantie einen möglichst großen Teil des Gesamtpreises abdeckt und mindestens zur gewählten Vertragsdauer passt.
Lassen Sie sich die Ergebnisse testweise ohne eingerechneten Bonus anzeigen. So erkennen Sie, welche Tarife auch aufgrund ihrer regulären Preise attraktiv sind. Die Verbraucherzentrale empfiehlt ebenfalls, Boni beim Vergleich nicht einzurechnen und Vertragsbedingungen bewusst zu filtern. Checkliste der Verbraucherzentrale für Vergleichsportale
Tarife mit Vorkasse oder Kaution sollten Sie besonders kritisch prüfen. Bei einer Insolvenz des Lieferanten kann vorausgezahltes Geld gefährdet sein. Auch Strompakete, bei denen Sie eine feste Verbrauchsmenge kaufen, eignen sich nur bei sehr gut vorhersehbarem Bedarf: Nicht verbrauchte Mengen werden je nach Vertrag nicht erstattet, Mehrverbrauch kann teuer abgerechnet werden.
Kontrollieren Sie außerdem, ob klassische Festpreistarife und dynamische Stromtarife gemeinsam angezeigt werden. Bei dynamischen Tarifen verändert sich der Energiepreis abhängig vom Börsenpreis. Das kann bei steuerbarem Verbrauch interessant sein, bringt aber Preisschwankungen mit sich und erfordert in der Regel ein intelligentes Messsystem sowie eine genauere Beschäftigung mit dem Verbrauchszeitpunkt.
Ökostromtarife aussagekräftig vergleichen
Der Filter „Ökostrom“ zeigt Tarife, bei denen die gelieferte Strommenge bilanziell erneuerbaren Energien zugeordnet wird. Das bedeutet nicht, dass physikalisch ausschließlich Strom aus Wind-, Solar- oder Wasserkraft aus Ihrer Steckdose fließt: Im öffentlichen Netz vermischen sich die eingespeisten Strommengen.
Herkunftsnachweise belegen, dass eine entsprechende Menge erneuerbarer Energie erzeugt und nicht mehrfach als Ökostrom verkauft wurde. Sie sind jedoch noch kein Qualitätsurteil darüber, ob der Tarif den Ausbau erneuerbarer Anlagen zusätzlich unterstützt. Darauf weist auch das Umweltbundesamt hin. Hintergrundwissen zu Ökostrom und Herkunftsnachweisen
Wenn Ihnen ein zusätzlicher Umweltnutzen wichtig ist, setzen Sie im Vergleichsrechner einen Filter für anerkannte Ökostromlabel. Das Umweltbundesamt nennt unter anderem das „Grüner Strom“-Label und „ok-power“ als Orientierung; diese stellen zusätzliche Anforderungen an die Förderung erneuerbarer Energien. Ökostrom-Empfehlungen des Umweltbundesamtes
Prüfen Sie dennoch die konkrete Zertifizierung des einzelnen Tarifs. Ein umweltbezogenes Unternehmensimage oder ein allgemeines Zertifikat des Anbieters muss nicht bedeuten, dass genau der ausgewählte Stromtarif ein anspruchsvolles Ökostromlabel trägt. Preis, Vertragsbedingungen und ökologische Kriterien sollten Sie getrennt bewerten.
Beispielrechnung / Checkliste
Beispiel: Ein Zwei-Personen-Haushalt verbraucht laut letzter Jahresabrechnung 2.500 kWh Strom. Tarif A verlangt 30 Cent je kWh und 150 Euro Grundpreis pro Jahr. Zusätzlich wird ein einmaliger Neukundenbonus von 120 Euro angeboten.
- Verbrauchskosten: 2.500 kWh × 0,30 Euro = 750 Euro
- Grundpreis: 150 Euro
- Reguläre Jahreskosten: 900 Euro
- Rechnerischer Preis im ersten Jahr nach Bonus: 780 Euro
- Rechnerische Kosten ohne erneuten Bonus im zweiten Jahr: 900 Euro, sofern Preise und Verbrauch unverändert bleiben
Tarif B kostet beispielhaft 31 Cent je kWh und 90 Euro Grundpreis, bietet aber keinen Bonus. Daraus ergeben sich 775 Euro Verbrauchskosten plus 90 Euro Grundpreis, insgesamt 865 Euro jährlich. Tarif A wäre im ersten Jahr rechnerisch günstiger, Tarif B dagegen ohne Anbieterwechsel im zweiten Jahr. Ob ein Tarif tatsächlich vorteilhafter ist, hängt unter anderem von Preisänderungen, Bonusberechtigung und Verbrauch ab.
Gehen Sie beim eigenen Vergleich Schritt für Schritt vor:
- Nehmen Sie die letzte Jahresabrechnung zur Hand.
- Tragen Sie Postleitzahl und tatsächlichen Jahresverbrauch ein.
- Hinterlegen Sie für eine realistische Ersparnis Ihren aktuellen Arbeits- und Grundpreis.
- Lassen Sie Boni zunächst unberücksichtigt und begrenzen Sie Laufzeit sowie Kündigungsfrist.
- Prüfen Sie Umfang und Dauer der Preisgarantie.
- Schließen Sie Vorkasse, Kaution und bei unsicherem Verbrauch auch Pakettarife aus.
- Aktivieren Sie bei Bedarf Ökostrom und ein anerkanntes Ökostromlabel.
- Vergleichen Sie zwei oder drei Angebote einschließlich Preisblatt, AGB und Bonusbedingungen.
- Kontrollieren Sie vor dem Wechsel alle Daten im offiziellen Rechner und speichern Sie Angebot sowie Vertragsunterlagen.
Fazit
Für einen aussagekräftigen Strompreisvergleich sind die korrekte Postleitzahl und der tatsächliche Jahresverbrauch die wichtigsten Ausgangsdaten. Lesen Sie die Ergebnisse nicht nur nach Rangfolge, sondern vergleichen Sie Grundpreis, Arbeitspreis, Bonusbedingungen, Preisgarantie und Kosten ohne Bonus. Bei Ökostrom schaffen anerkannte Label zusätzliche Orientierung. Nutzen Sie einen offiziellen Vergleichsrechner, prüfen Sie vor dem Abschluss das Preisblatt und das Kleingedruckte und wenden Sie sich bei komplizierten Vertragsfragen an die Verbraucherzentrale oder eine qualifizierte Fachberatung.